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Aufklärung, Technologie, Zukunft

Mehr Zukunft wagen! Was Jules Verne uns heute sagt

Jules Verne hat mich schon immer fasziniert. Was nicht verwunderlich ist, möchte ich meinen, für einen Menschen, der in einem Umfeld aufgewachsen ist, das Werkzeuge besonders geschätzt hat. Einen Menschen, den Technik schon früh in den Bann gezogen hat, der später Ingenieur wurde und ein Unternehmen aufgebaut hat, das Qualitäts-Werkzeuge fertigt. 

Taucheranzüge und Werkzeuge unter Wasser, Navigationsgeräte wie Sextanten, Kompass, Chronometer, Bergbautechnik, Bohrer, Fluggeräte, Propeller … – die Geschichten von Jules Verne sind voller Werkzeuge. Voller Ideen. Voller Mut zum „Noch-nicht-Möglichen“. Ein Mut, den ich mir heute in unserer Gesellschaft und Politik wünsche …

Keine Pose der Macht, eine Pose voll Zukunft

Jetzt am 8. Februar hatte Jules Verne Geburtstag, es war sein 198. Und als mir dies als Meldung zugespielt wurde, erinnerte ich mich an einen Gedanken, den ich im vergangenen Sommer hatte, als ich durch Frankreich reiste. 

Die erste Etappe auf unserer Rundreise war Amiens. Eine Stadt mit einer ungemein wechselvollen Geschichte. Gallier, Römer, Franken, Kriege, Wiederaufbau. Hier schlummert Geschichte unter jedem Pflasterstein. Die Römer nannten sie Samarobriva – „Brücke über die Somme“. Später gaben ihr die Franken ihren heutigen Namen. Ein uraltes urbanes Herz, das über 2.000 Jahre schlägt. 

Hier in dieser Stadt mit reicher Vergangenheit hat Jules Verne gelebt und seine mit visionärer Zukunft vollgepackten Romane verfasst. 

Nach einem Rundgang durch die Altstadt, einem Besuch in der eindrucksvollen gotischen Kathedrale, standen wir ihm vor dem Rathaus schließlich gegenüber. In Bronze gegossen, der Blick in eine unsichtbare Ferne, als folge er noch immer der Flugbahn einer Idee. Keine Pose der Macht. Eine Pose des Fragens, des Forschens. Der Vision. Der Zukunft.

Über 30 Jahre lebte Verne in Amiens. Hier schrieb er die Romane, die Millionen Menschen inspirierten – und die heute noch eine Botschaft tragen: Die Zukunft gehört nicht den Ängstlichen, sondern den Mutigen.

Weniger Denkschranken, mehr Zuversicht

Während ich dort stand, vor diesem Mann aus Bronze, und ich mich an meine spannenden Leseerfahrungen erinnerte, deren Ursprung in der bahnbrechenden Fantasie dieses Mannes lag, wurde mir eines schmerzhaft klar: Wir in Deutschland haben uns in den letzten Jahren Denkschranken gebaut, die höher sind als jede gotische Kathedrale. Wir diskutieren Technologien nicht nach ihrem Nutzen, sondern nach der politischen Farbe, auf die sie zu passen scheint. Wir verlieren uns in Ideologien, statt Lösungen zu suchen. Wir pflegen Zweifel, wo Verne Neugier gepflegt hätte. Wir fesseln unsere Fantasie, wenn es darum geht, Schritte in eine Zukunft zu gehen, die uns lebenswert erscheint.

Ich plädiere nicht für eine bodenlose Fantasie, die aller Logik und Vernunft entbehrt. Vernes Visionen fand ich durchaus immer vernünftig. Ich plädiere auch nicht für naive Technikbegeisterung, die sich dem Geist des „Alles ist machbar!“ ergibt.

Ich wünsche mir eine Rückkehr zu jener Haltung, die unser Land stark gemacht hat: Erfindergeist statt Bedenkenträgerei, Zuversicht statt Zögern, gedankliche Freiheit statt Ideologie.

Jules Verne hat im 19. Jahrhundert Zukunftsbilder entworfen, die wir im 21. Jahrhundert selbstverständlich nutzen: U-Boote, Raumfahrt, Weltumrundung, moderne Navigation. Wenn ein Schriftsteller vor 150 Jahren mutiger über Technik nachgedacht hat als wir heute – dann läuft etwas falsch.

Was mir in Amiens in diesem Moment, den ich Ihnen gerne beschreiben wollte, bewusst wurde: Zukunft entsteht nicht, indem man sie fürchtet. Sie entsteht, indem man sie gestaltet. Mit Mut, mit Werkzeugen, mit dem Willen, Neues auszuprobieren. Wir Ingenieure wissen das. Unternehmer wissen das. Und doch scheint es, als müssten wir es uns in Deutschland wieder lauter sagen. Oder was denken Sie?

Ihr Wilfried Hahn

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